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Brexit: Konsequenzen für Veterinäre

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Brexit was ändert sich für Veterinäre und Tierhalter

Bei einem ungeregelten Brexit kann die Aufnahme von Großbritannien in eine entsprechende Drittlandliste möglicherweise einige Zeit in Anspruch nehmen. Dadurch erhält Großbritannien voraussichtlich zunächst den Status eines nicht gelisteten Drittlandes. Wer mit Heimtieren (Hunde, Katzen, Frettchen) nach Großbritannien reisen möchte, hat bei der Hinreise zunächst keine Probleme, weil sich an den bisherigen Regelungen nichts ändert. Bei der Rückkehr hängt es jedoch vom Status ab, den Großbritannien zum aktuellen Reisezeitpunkt besitzt. Es kann also passieren, dass Heimtiere die tiergesundheitlichen Bedingungen für die EU-Einreise aus einem nicht gelisteten Drittland erfüllen müssen.

Best Case: Gelistetes Drittland

Wenn Großbritannien den Status eines Drittlandes auf der ersten Liste erhält, gelten für die Ausreise aus Großbritannien in ein EU-Land folgende Regelungen:

  • Das Tier muss mit Mikrochip oder durch Tätowierung (vor dem 3. Juli 2011 vorgenom¬men und eindeutig lesbar) gekennzeichnet sein. Die Kennzeichnung muss vor der Tollwut-Impfung erfolgen.
  • Als Begleitdokument ist ein Heimtierpass mitzuführen, der den Bedingungen des EU-Heimtierausweises entspricht und von einem amtlich ermächtigten Tierarzt ausgestellt wurde.
  • Der Grenzübertritt darf erst frühestens 21 Tage (3 Wochen) nach Abschluss der Grundimmunisierung gegen Tollwut erfolgen. Die Gültigkeitsdauer der Impfung ist vom Hersteller abhängig.
  • Das Tier muss zum Zeitpunkt der Erstimpfung gegen Tollwut mindestens 12 Wochen alt gewesen sein. Welpen können folglich erst ab einem Alter von mindestens 15 Wochen eingeführt werden.
  • Die begleitende Person muss eine schriftliche Erklärung darüber abgeben, dass die Verbringung des Tieres nicht dem Verkauf oder Besitzerwechsel dient. Pro Person dürfen höchstens fünf Tiere mitgeführt werden.
  • Für eine Reise nach Irland, Malta, Finnland und Großbritannien gilt außerdem wie schon bisher, dass Hunde eine Behandlung gegen Echinokokken vorweisen können, die mindestens 24 Stunden und längstens 120 Stunden (5 Tage) vor der Einreise liegt.
  • Sollte Großbritannien den Status eines Drittlandes auf der zweiten Liste erhalten, müssen Tierhalter zusätzlich eine maximal zehn Tage alte Gesundheitsbescheinigung vorlegen, welche denselben Tollwut-Impfschutz nachweist wie der EU-Heimtierausweis.

Worst Case: Nicht gelistetes Drittland

Erhält Großbritannien den Status eines nicht gelisteten Drittlandes, dann erschwert sich die Einreise in die EU merklich. Zusätzlich zu den oben aufgeführten Bedingungen kommt Folgendes hinzu:

  • Vor der Einreise oder Wiedereinreise müssen Heimtiere einer Blutuntersuchung auf Tollwut-Antikörper unterzogen werden, wobei die Impfung mindestens 30 Tage zurückliegen muss.
  • Die Antikörper-Untersuchung muss mindestens drei Monate vor der Einreise aus dem Drittland erfolgen. Bei der Wiedereinreise gilt die 3-Monats-Frist nicht, wenn aus dem Heimtierausweis hervorgeht, dass die Blutentnahme durchgeführt wurde, bevor das Tier die EU verlassen hat, und dass bei der Blutanalyse genügend Antikörper auf Tollwut nachgewiesen worden sind.
  • Nur ein amtlich autorisierter Tierarzt darf die Blutentnahme vornehmen und die Blutuntersuchung muss in einem von der Europäischen Kommission zugelassenen Labor erfolgen.
  • Der Antikörpergehalt im Blut muss einen Wert von mindestens 0,5 IE/ml aufweisen.
  • Für die Einreise muss das Tier beim Zoll angemeldet werden und es muss über einen gelisteten Flughafen oder Hafen eingereist werden.
  • Welpen dürfen frühestens im Alter von sieben Monaten einreisen (Tollwutimpfung nach 12 Wochen + Blutentnahme 30 Tage nach Impfung + 3 Monate Wartefrist).

Reisebestimmungen für Pferde

Innerhalb der EU sind für das Verbringen von Pferden der Equidenpass sowie eine Gesundheitsbescheinigung notwendig. Soll ein Pferd aus einem Drittland in die EU verbracht werden, so muss dieses Land von der EU zugelassen sein. Die Zulassungen werden aufgrund der Tiergesundheitslage in den Drittländern erteilt. Zusätzlich zu den Bedingungen innerhalb der EU wird bei der Einreise aus einem Drittland eine spezielle Export-Gesundheitsbescheinigung notwendig. Darin muss vom amtlich ermächtigten Veterinär bescheinigt sein, dass das Pferd frei von bestimmten anzeigepflichtigen und übertragbaren Krankheiten ist. Equiden aus Drittländern müssen außerdem über eine Zollinspektionsstelle eines Mitgliedsstaates einreisen.
Aus ungelisteten Drittländern ist überhaupt keine Verbringung von Pferden in die EU erlaubt.

Versorgung mit Tierarzneimitteln

Wie groß die Auswirkungen des Brexit auf den Arzneimittelverkehr sein werden, ist noch nicht genau abzuschätzen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat in Bezug auf versorgungsrelevante Arzneimittel eine systematische Abfrage durchgeführt, deren Auswertung ergab, dass bei relevanten Arzneimitteln mit keinem Versorgungsengpass zu rechnen ist. Arzneimittel können auch weiter nach Großbritannien ausgeführt oder von dort eingeführt werden. Die Bewertung und Überwachung der Medikamente aus Großbritannien wird von der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA fortgesetzt.
Die Arzneimittelbewertung bezüglich Herstellung, Entwicklung, Zulassung und Pharmakovigilanz wurde bisher auch für deutsche Unternehmen zu großen Teilen von Arzneimittelagenturen in Großbritannien übernommen. Diese stehen nach dem Brexit allerdings nicht mehr für Arzneimittelzulassungsverfahren innerhalb der EU zur Verfügung, sodass die Unternehmen ihre Aktivitäten rechtzeitig in die EU übertragen müssen.
Einschränkungen für Arzneimittel und Therapien haben Praktiker voraussichtlich dennoch nicht zu befürchten.
 
Weitere Informationen
Autorin: Johanna Schmidbauer, Veterinärjournalistin
Datum: April 2019
Quellen:
Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft: Regelungen zur Einreise mit Hunden, Katzen und Frettchen in die Europäische Union: www.bmel.de (Abruf April 2019)
GOV.UK: Pet travel to Europe after Brexit: www.gov.uk (Abruf April 2019)

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