Sterilität oder Endometritis?

Pferd

Sterilität oder Endometritis?

Ausbleibende Trächtigkeiten führen jährlich zu ökonomischen und genetischen Verlusten in der Pferdeindustrie. Während der equinen Infertilität teilweise komplexe Problematiken zugrunde liegen, bildet die (sub-)klinische Endometritis die häufigste Ursache klinischer Unfruchtbarkeit bei Stuten mit ungestörtem Sexualzyklus.

Equine Infertilität

Infertilität schließt die folgenden drei Stutentypen ein:

  • Stuten, deren Zyklus ausbleibt
  • Stuten, deren Zyklus ungestört ist, die aber nicht tragend werden
  • Stuten, deren Zyklus ungestört ist und die tragend werden, aber frühen embryonalen Tod erleiden

Endometritis ist laut wissenschaftlicher Studien die häufigste Ursache der letzten beiden Umstände.

Endometritis

Eine Endometritis bezeichnet jegliche Entzündungen der Gebärmutterschleimhaut, welche über die zyklische Selbstreinigung des Uterus hinausgeht.

Endometritiden können verschiedene Ursachen haben und werden wie folgt unterteilt:

  • Infektiöse Endometritis (obligat genitalpathogene Erreger, Deckseuchen)
  • Chronisch-infektiöse Endometritis (fakultativ genitalpathogene Erreger)
  • Besamungs-induzierte Endometritis (persistent breeding induced endometritis; PBIE)

1 Kontagiöse Equine Metritis (CEM)

Ausgelöst durch Taylorella equigenitalis gehört die CEM zu den Deckseuchen der Pferde (zusammen mit der Beschälseuche und dem Virusabort) und unterliegt in Deutschland der Meldepflicht.

CEM ist hochkontagiös und wird über Carrier-Stuten und –Hengste venerisch übertragen. Hengste bleiben stets asymptomatische Träger, während empfängliche Stuten durch die Erstinfektion unfruchtbar werden können. Sie entwickeln außerdem Vaginitis, Cervicitis und Endometritis.

Zur Diagnosestellung sollten vor Beginn der Zuchtsaison geeignete Stellen (Fossa & Sinus clitoridis, Uterus & Zervix bei Stuten, Fossa glandis, Urethra & Penisschaft bei Hengsten) beprobt werden. EU-Besamungshengste unterliegen einem strengen Beprobungsregime und müssen vor jeder Saison zweimal im Abstand von 7 Tagen an drei Lokalisationen getupfert werden. Die Tupfer müssen in einem speziellen Medium (z.B. Amies-Medium) innerhalb von 24h gekühlt zu einem Referenzlabor (u.a. Friedrich-Löffler-Institut) geschickt werden.

T. equigenitalis ist bei Hengsten durch Waschungen und Trocknung von Penis und Präputium mit z.B. Chlorhexidin(2%)-Lösung und  Behandlung mit Nitrofurazinsalbe an fünf aufeinanderfolgenden Tagen erfolgreich eliminierbar. Der Therapieerfolg ist durch erneute Tupferproben zu validieren.

Stuten werden analog gewaschen, getrocknet und gesalbt. Zusätzlich sollten Uterusspülungen mit physiologischer Kochsalzlösung (0,9% NaCl), sowie eine parenterale Antibiose (z.B. Penicillin, Enrofloxacin) über mindestens 5-10 Tage erfolgen.

Es existiert keine Behandlung, die zuverlässig sowohl die klinischen Symptome eliminiert, als auch den Carrier-Status auflöst.

2 Chronisch-infektiöse Endometritis

Prädisponierte Stuten können auf fakultativ genitalpathogene Keime mit einer persistierenden Endometritis reagieren, allerdings werden solche Keime häufig auch ohne vorliegende Symptomatik auf der Genitalschleimhaut nachgewiesen. Die häufigsten Erreger einer chronisch-infektiösen Endometritis sind:

  • Escherichia coli
  • Streptococcus equi ssp. zooepidemicus
  • Pseudomonas aeruginose
  • Klebsiella pneumoniae
  • Chlamydia abortus
  • Candida spp.
  • Aspergillus spp.
  • Mucor spp.

Eine geschlossene Pyometra ist bei Stuten sehr selten. Normalerweise kann das Exsudat bei offener Cervix kontinuierlich abfließen.

Um subklinische Endometritiden und eine damit verbundene potentielle Subfertilität ausschließen zu können, sollten Stuten vor Beginn der Zuchtsaison beprobt werden. Vorliegende Keime sollten ausschließlich nach Antibiogramm behandelt werden. Akute Endometritiden werden außerdem durch Uterusspülungen mit Kochsalzlösung (nicht mit desinfizierenden Lösungen) therapiert. Oxytocin (10-20 I.E. s.c.) oder ein PGF2a-Analogon kann zur Unterstützung der Uterusentleerung appliziert werden.

3 Physiologische Endometritis

Das Endometrium der Stute reagiert auf das Eindringen von Spermien mit einer physiologischen Entzündungsreaktion, die innerhalb von 24-36 Stunden wieder abklingt. Währenddessen kommt es unter anderem durch die Aktivierung von Komplementfaktoren im Uterinsekret zu einem Einstrom polymorphkerniger neutrophiler Granulozyten in das Lumen des Uterus. Diese phagozytieren Bakterien und Spermatozoen, sodass das Endometrium für den Eintritt des Embryos aus dem Eileiter am 5.-6. Tag bereit ist.

3.1 Besamungs-induzierte Endometritis

15% der Stuten sind nicht in der Lage die physiologische Endometritis nach einer Besamung in einem angemessenen Zeitraum zu eliminieren. Diese werden als empfängliche Stuten (susceptible mares) bezeichnet und sind aufgrund verschiedener Faktoren für die sogenannte PBIE (persistent breeding induced endometritis) prädisponiert. Zu diesen Faktoren gehören unter anderem:

  • gestörte Perinealkonformation oder Zervixkompetenz
  • herabgesetzte Myometriumsaktivität
  • gestörte uterine Immunantwort; Imbalance der pro- und antiinflammatorischen Cytokine, Akkumulation von Stickoxid im Endometrium

Besteht die Endometritis bis zu Tag 5-6 nach Belegung, wenn der Embryo eintritt, ist eine Trächtigkeit durch das zytotoxische Milieu nicht möglich.

Zur Diagnosestellung dient die transrektale Sonographie des Uterus. Befindet sich >12h nach der Besamung noch vermehrt Flüssigkeit im Uteruslumen, kann von pathologischen Vorgängen ausgegangen werden. Die Flüssigkeit besteht aus uterinem Sekret, abgestorbenen Spermien und Entzündungsprodukten. Die Therapie sollte auf die Entfernung der intraluminalen Flüssigkeit abzielen.

Seminalplasma

Seminalplasma moduliert die Immunantwort des Uterus auf die Besamung, indem es protektive Eigenschaften zum Schutz der Spermatozoen beinhaltet, während es gleichzeitig die Erkennung und den Angriff abgestorbener Spermatozoen durch die Immunzellen der Stute unterstützt. Es beeinflusst zwar die intrauterine Flüssigkeitsansammlung nicht quantitativ, unterdrückt jedoch die Expression pro-inflammatorischer Zytokine und steigert die Expression anti-inflammatorischer Zytokine.

Wissenschaftlicher Überblick

Neben Antibiosen, Uterusspülungen und Clearance-fördernden Medikamenten sind aktuell viele neue Therapie- und Prophylaxeansätze Gegenstand wissenschaftlicher Studien.

Es konnte gezeigt werden, dass eine geringere Samendosis mildere Entzündungsreaktionen im Endometrium auslösen. Gleichzeitig konnten nach hysteroskopischer Besamung stärkere Entzündungsanzeichen beobachtet werden, als nach konventioneller Besamung in den Uteruskörper. Eine Samen-Selektion nach Percoll konnte keine signifikanten Unterschiede der Uterusreaktion auslösen.

Allerdings konnte inzwischen belegt werden, dass regelmäßiger Hengstkontakt zu einem signifikanten Oxytocin-Anstieg im Blut von Stuten führt.

Eine weitere Studie konnte zeigen, dass häufig intrauterin gefundene Keime (E. coli, P. aeruginosa, K. pneumoniae) in der Lage sind, Biofilme zu produzieren. Außerdem wurde die Wirkung folgender nicht-antibiotischer Mittel auf die koloniebildenen Einheiten (CFU) untersucht:

  • N-Acetylcystein
  • EDTA
  • Wasserstoffperoxid

Keines dieser Mittel zeigte eine signifikante Keimreduzierung.

Therapeutische Ansätze für PBIE umfassen unter anderem N-Acetylcystein aufgrund seiner stickoxid-reduzierenden Eigenschaften. Eine Untersuchung dieser Theorie konnte jedoch ebenfalls keine Wirkung feststellen.

Um die Flüssigkeitsansammlung im Uteruslumen zu eliminieren hat sich im Gegensatz zu Boxenruhe ohne weitere Behandlung (Kontrolle) regelmäßige Bewegung der Stuten als effektivste Methode herausgestellt. Oxytocin-Gaben waren am zweiteffektivsten, gefolgt von Cloprostenol auf Platz 3. Eine Kombination von Bewegung und Oxytocin-Therapie konnte jedoch keine Erfolgssteigerung erbringen.

Fazit

Ein funktionierendes Zusammenspiel von strikter Zuchthygiene, optimalem Management, regelmäßigen umfassenden Untersuchungen und spezifischen Therapien ist für den Erfolg in der Pferdezucht unerlässlich.

Es empfiehlt sich, Stuten vor Beginn der Zuchtsaison zu untersuchen, sodass etwaige – auch subklinische – Probleme oder Prädispositionen erkannt und gemanagt werden können. Bei Problemstuten sollten weiterführende diagnostische Untersuchungen in Erwägung gezogen werden. Der verantwortungsvolle Umgang mit Antibiotika wird vorausgesetzt.

 

Autor: Sabrina Thomeczek, Tierärztin, ReboPharm Veterinär-Fachgrosshandel GmbH & Co. KG

 

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